Nationaler Suppentag in Basel - Armut und Überfluss zugleich...

Auch unser Hilfsprojekt wird in diesem Bericht erwähnt, danke an den Chefredakeur Georges Küng!

Die Schweiz ist ein reiches Land. Das Brutto-Sozialprodukt ist hoch, die (offiziellen) Arbeitslosenzahlen sind in einem tiefen Bereich und es herrscht politische Stabilität (siehe auch unsere Chroniken zum letzten Wahlsonntag). Also alles eitel Sonnenschein, Glanz und Glamour? Nein!

Am letzten Donnerstag fand bereits zum 16. Male der nationale Suppentag statt. Spitzenköche, zahlreiche Prominente aus Kultur, Politik, Sport und Wirtschaft sowie unzählige Helferinnen und Helfer waren den ganzen Tag über im Einsatz – und an 18 öffentlichen Standorten in der ganzen

Schweiz wurden insgesamt weit über 3000 Liter Suppe geschöpft. Für einen guten Zweck, denn… auch in der Schweiz gibt es Armut. Dies sei in aller Deutlichkeit gesagt!

Armut bedeutet Unterversorgung in wichtigen Lebensbereichen (materiell, kulturell und sozial). Betroffene Personen erreichen den minimalen Lebensstandard nicht, welcher in der Schweiz als annehmbar empfunden wird. In der Regel wird Armut ja finanziell definiert. Die «Armutsquote» gibt an, wie hoch der Anteil der Bevölkerung ist, deren Einkommen unter einer finanziell definierten Armutsgrenze liegt. In der Schweiz waren fird im Jahrr 2017 ingesamt 670‘000 Personen (das wären alle Einwohner von Zürich Stadt und dem Kanton Basel-Stadt!) – oder 8,2 Prozent der Wohnbevölkerung. Die Armut ist am Steigen, 2016 lag die Armutsquote noch bei 7,5 Prozent. Bis in wenigen Jahren wird sie die 10-Prozent-Grenze erreicht haben. Und das in der reichen Schweiz, wo viele Menschen aus Drittweltländern das Gefühl haben, der Honig fliesse von den Bäumen und alle hätten im Land der direkten Demokratie alles…

 

Was sind Working Poor?

Wer arbeitet und es mit dem dadurcherzielten Einkommen trotzdem nicht über die Armutsgrenze schafft, wird als «Working Poor» bezeichnet. Das Bundesamt für Statistik (BSF) nennt diese Personen «erwerbstätige Arme». 165’000 Personen oder 4,3 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz waren 2017 trotz Erwerbstätigkeit von Armut betroffen, und zwar gleichzeitig sowohl von Einkommens- als auch von Entbehrungsarmut. Im Jahr 2017 betrug die Armutsgrenze  durchschnittlich 2259 Franken pro Monat für eine Einzel-person und 3990 Franken pro Monat für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern. Auch hier ist die Tendenz massiv steigend. Und das in der reichen Schweiz, wo es eben keine «offene Armut», dafür eine «kaschierte Armut» gibt.

 

Leimentaler Präsenz

BiBo war am letzten Donnerstag vor Ort. In Basel, an der Freien Strasse, bei der Hauptpost (die es ja bald in dieser Form auch nicht mehr geben wird…). Und sprach lange mit Michele Hostettler. Der Oberwiler (ein zeitkritischer Zeitgeist und aufmerksamer BiBo-Leser) ist der Leiter der Region Basel bei der «Schweizer Tafel», welche versucht, die Armut zu lindern und dank den ehrenamtlichen Helfern gegen die «Wegwerf-Mentalität » bei Nahrungsmitteln gegen (dekadenten) Überfluss ankämpft. Tag für Tag übrigens. Wir werden mit Herrn Hostettler im nächsten Jahr ein exklusives Interview führen.

Bei unserem Besuch in Basel trafen wir viele Menschen aus dem Birsig- und Leimental an. Einer von ihnen, Dani von Wattenwyl (ein Ur-Biel-Benkemer; siehe Foto) rührte kräftig im Suppentopf. Und wir genossen die verschiedenen, köstlichen Suppen. Und kamen mit Frau B.R. aus Bottmingen ins Gespräch. Die uns zu «Armut» und «Working Poor», aus eigener Erfahrung, viel zu erzählen hatte. Das

uns sehr nachdenklich gestimmt hat. Erwähnt wurde auch der «Verein Phari» (BiBo berichtet regelmässig), der bekanntlich von Brigitte Marques und Gabi Huber (beide Therwil) im Februar 2015

gegründet wurde. «Phari» hat sich das Ziel gesetzt, Familien und Personen zu helfen, die am oder unter dem Existenzminimum leben. Und davon gibt es immer mehr – auch dies sei explizit gesagt!

 

Wahlversprechungen bitte einhalten Jetzt, wo der Ständerat wieder komplett ist, könnten sich die gewählten Politiker, die sich ja als Volksvertreter verstehen, erinnern, dass es auch in der Schweiz Armut gibt …

Georges Küng


Unser Verein im TV

"regioTVplus"

Mr hän Bsuech ka vom Däni vom „regioTVplus“! 

https://www.youtube.com/watch?v=ikwRhJg0os4&app=desktop


Wochenblack Birseck Seite "Reinach" vom Donnerstag, 8. August 2019 



"Tag der offenen Tür" am 27. April: 

 Dr Däni vom "regioTVplus" het uns nomoll bsuecht:

https://www.youtube.com/watch?v=XFEW-AWeoR0


Der Verein PHARI (Pharus bedeutet auf lateinisch „Leuchtturm“) hat sich das Ziel ge­setzt, Familien und Personen zu helfen, die am oder unter dem Existenzminimum le­ben. Diesen Verein gibt es seit Februar 2015, er steht allen Menschen offen und ist politisch und konfessionell neutral.

 

Wer diese Zeitung regelmässig liest (und das tut hoffentlich das ganze „BiBo-Land“), wird immer wieder Neuigkeiten rund um den Verein „Phari“ erfahren. Zu verdanken ist dies ei­nem Frauen-Duo (Gabi Huber und Brigitte Marques), welche nicht nur vor vier Jahren den Verein gegründet haben, sondern diesen mit einem beispiellosen Engagement (Herzblut, Hingabe, Idealismus) weiterentwickelt haben. Grund genug für uns, mit den beiden Ther­wilerinnen ein Interview zu führen.

 

BiBo: Der „Verein Phari“ hat anfangs März eine neue Lokalität bezogen. Können Sie uns hierzu mehr sagen?

Gabi Huber: Unsere Türen haben wir zum ersten Mal im 2015 geöffnet und haben in den letzten Jahren über 160 Berechtigungskarten bewilligt. Aus Platzgründen können wir im Vereinslokal an der Rauracherstrasse nicht noch mehr Bedürftige aufnehmen. Jede Wo­che gehen bei uns rund 60 Familien (gut 200 Personen) ein und aus und nehmen unsere „Wuchegugge“ mit Lebensmitteln entgegen. Da wir gleichzeitig in unserer Bistro-Ecke gra­tis Essen und Trinken anbieten und unsere Besucher auch noch Secondhand-Kleider aus­suchen können, sind wir mit dem jetzigen Raum an unsere Grenzen gestossen. Nun ha­ben wir am Mittleren Kreis 29 in Therwil ein neues Vereinslokal gefunden, welches mehr Platz für alle Bereiche der Hilfe bietet. Wir sind glücklich, dass das neue „Phari“ parterre ist und wir die Lebensmittel und die Kleiderspenden nicht mehr hinunter- und hinauftragen müssen.Dass wir nun auch ein eigenes Büro haben, in welchem wir in Ruhe persönliche Gespräche führen können, freut uns sehr. 

 

Im regioTVplus konnten wir sehen, dass diese gemeinnützige Institution expandiert und in Reinach eine „Zweitfiliale“ eröffnen wird (eröffnet hat). Wird dort die gleiche Philosophie, und Angebot, vertreten respektive präsent sein?

Brigitte Marques: In Therwil decken wir mit unserer Hilfe die Bewohner der Leimentaler Gemeinden ab. In Reinach gibt es aber bis heute keine Lebensmittelabgabestellen für be­dürftige Menschen. Dank der finanziellen Unterstützung der Gemeinde Reinach konnten wir nun seit dem 21. März auch dort eine Lebensmittelabgabe für armutsbetroffene Men­schen durchführen. Wir sind dankbar, dass die römisch-katholische Kirchgemeinde jeweils am Donnerstagnachmittag einen Raum für die Abgabe zur Verfügung stellt. Unsere Phari-Philosophie bleibt sich natürlich gleich: Unser Verein steht allen Menschen offen und ist politisch und konfessionell neutral. Er ist geprägt von Respekt gegenüber den Menschen in Bezug auf Geschlecht, Alter, kultureller Zugehörigkeit oder sozialer Herkunft.  

 

Stimmen Sie der These zu, dass in der Schweiz einige immer reicher, aber immer mehr Menschen ärmer werden?

Gabi Huber: Ja, wir glauben, dass die Kluft zwischen Arm und Reich stetig wächst. Die Entwicklung, dass es in unserer „reichen“ Schweiz so viele armutsbetroffene Menschen gibt, stimmt uns traurig. Seit vier Jahren betreiben wir nun den Verein Phari und wir sehen eine stetige Steigerung von Armut der Familien in der Region. Dies sind Personen, die trotz Erwerbstätigkeit am Existenzminimum leben (Working Poor), viele Alleinerziehende oder Senioren. 

 

Brigitte Marques: Was uns Sorgen macht, sind die Kinder aus den armutsbetroffenen Fa­milien. Es ist ja so, dass nicht nur das Geld für das Nötigste fehlt. Wir beobachten, dass durch den finanziellen Engpass das Sozialleben enorm darunter leidet. Diese armutsbe­troffenen Familien leben vielfach isoliert. Durch die Spendengelder, die wir erhalten, kön­nen wir beispielsweise den Kindern und Jugendlichen Musik- oder Sportunterricht oder auch einen Lagerbesuch/einen Ausflug mit der Familie ermöglichen. Wir finanzieren nach ausführlichen Abklärungen auch Optiker- oder Zahnarztkosten sowie Mittagstischgebühren, Kosten für den öffentlichen Verkehr und vieles mehr. Oft können wir auch bei einem individuellen sozialen Problem mit einer einmaligen Spende helfen, die Not lindern und etwas Freude in den Alltag dieser Menschen bringen.

 

Gabi Huber: Wir sind bestrebt, in erster Linie die Grundbedürfnisse der armutsbetroffenen Menschen besser abzudecken. Wir glauben fest an unser Hilfsprojekt und sind überzeugt, dass es wichtig ist, für Leute, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, aktiv zu sein.

 

Welche Worte möchten Sie an die BiBo-Leserschaft richten?

Brigitte Marques: Sind Sie Alleinerziehend, Seniorin/Senior, Working Poor, Student und le­ben am Existenzminimum? Wenn Sie in einer der Leimentaler Gemeinden oder in Reinach wohnhaft sind und keine Unterstützung von der Sozialhilfe erhalten, dann können Sie sich ungeniert bei uns melden. Durch unsere wöchentlichen Abgaben können wir Ihr mo­natliches Budget etwas entlasten. Wir freuen uns über jede Nachricht über unser Kontakt­formular auf unserer Homepage.

 

Es ist mir ein persönliches Anliegen, Brigitte und Gabi für das Gespräch herzlichst zu dan­ken. Und die „bzBasel“ widmete dem Verein Phari am 3. Februar 2019 einen längeren Ar­tikel, der nochmals in Erinnerung rief: Der Verein Phari verteilt im Unterbaselbiet, primär in Therwil, Lebensmittel und Kleider an Menschen, die wenig Geld haben. Der Bedarf ist gross – die Scham, sich als arm zu outen, ebenfalls.

Von wegen, dass in der reichen Schweiz alle Menschen reich sind…

                                                                                                                                     Georges Küng 








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