Nationaler Suppentag in Basel - Armut und Überfluss zugleich...

Auch unser Hilfsprojekt wird in diesem Bericht erwähnt:

Die Schweiz ist ein reiches Land. Das Brutto-Sozialprodukt ist hoch, die (offiziellen) Arbeitslosenzahlen sind in einem tiefen Bereich und es herrscht politische Stabilität (siehe auch unsere Chroniken zum letzten Wahlsonntag). Also alles eitel Sonnenschein, Glanz und Glamour? Nein!

Am letzten Donnerstag fand bereits zum 16. Male der nationale Suppentag statt. Spitzenköche, zahlreiche Prominente aus Kultur, Politik, Sport und Wirtschaft sowie unzählige Helferinnen und Helfer waren den ganzen Tag über im Einsatz – und an 18 öffentlichen Standorten in der ganzen

Schweiz wurden insgesamt weit über 3000 Liter Suppe geschöpft. Für einen guten Zweck, denn… auch in der Schweiz gibt es Armut. Dies sei in aller Deutlichkeit gesagt!

Armut bedeutet Unterversorgung in wichtigen Lebensbereichen (materiell, kulturell und sozial). Betroffene Personen erreichen den minimalen Lebensstandard nicht, welcher in der Schweiz als annehmbar empfunden wird. In der Regel wird Armut ja finanziell definiert. Die «Armutsquote» gibt an, wie hoch der Anteil der Bevölkerung ist, deren Einkommen unter einer finanziell definierten Armutsgrenze liegt. In der Schweiz waren fird im Jahrr 2017 ingesamt 670‘000 Personen (das wären alle Einwohner von Zürich Stadt und dem Kanton Basel-Stadt!) – oder 8,2 Prozent der Wohnbevölkerung. Die Armut ist am Steigen, 2016 lag die Armutsquote noch bei 7,5 Prozent. Bis in wenigen Jahren wird sie die 10-Prozent-Grenze erreicht haben. Und das in der reichen Schweiz, wo viele Menschen aus Drittweltländern das Gefühl haben, der Honig fliesse von den Bäumen und alle hätten im Land der direkten Demokratie alles…

 

Was sind Working Poor?

Wer arbeitet und es mit dem dadurcherzielten Einkommen trotzdem nicht über die Armutsgrenze schafft, wird als «Working Poor» bezeichnet. Das Bundesamt für Statistik (BSF) nennt diese Personen «erwerbstätige Arme». 165’000 Personen oder 4,3 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz waren 2017 trotz Erwerbstätigkeit von Armut betroffen, und zwar gleichzeitig sowohl von Einkommens- als auch von Entbehrungsarmut. Im Jahr 2017 betrug die Armutsgrenze  durchschnittlich 2259 Franken pro Monat für eine Einzel-person und 3990 Franken pro Monat für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern. Auch hier ist die Tendenz massiv steigend. Und das in der reichen Schweiz, wo es eben keine «offene Armut», dafür eine «kaschierte Armut» gibt.

 

Leimentaler Präsenz

BiBo war am letzten Donnerstag vor Ort. In Basel, an der Freien Strasse, bei der Hauptpost (die es ja bald in dieser Form auch nicht mehr geben wird…). Und sprach lange mit Michele Hostettler. Der Oberwiler (ein zeitkritischer Zeitgeist und aufmerksamer BiBo-Leser) ist der Leiter der Region Basel bei der «Schweizer Tafel», welche versucht, die Armut zu lindern und dank den ehrenamtlichen Helfern gegen die «Wegwerf-Mentalität » bei Nahrungsmitteln gegen (dekadenten) Überfluss ankämpft. Tag für Tag übrigens. Wir werden mit Herrn Hostettler im nächsten Jahr ein exklusives Interview führen.

Bei unserem Besuch in Basel trafen wir viele Menschen aus dem Birsig- und Leimental an. Einer von ihnen, Dani von Wattenwyl (ein Ur-Biel-Benkemer; siehe Foto) rührte kräftig im Suppentopf. Und wir genossen die verschiedenen, köstlichen Suppen. Und kamen mit Frau B.R. aus Bottmingen ins Gespräch. Die uns zu «Armut» und «Working Poor», aus eigener Erfahrung, viel zu erzählen hatte. Das

uns sehr nachdenklich gestimmt hat. Erwähnt wurde auch der «Verein Phari» (BiBo berichtet regelmässig), der bekanntlich von Brigitte Marques und Gabi Huber (beide Therwil) im Februar 2015

gegründet wurde. «Phari» hat sich das Ziel gesetzt, Familien und Personen zu helfen, die am oder unter dem Existenzminimum leben. Und davon gibt es immer mehr – auch dies sei explizit gesagt!

 

Wahlversprechungen bitte einhalten Jetzt, wo der Ständerat wieder komplett ist, könnten sich die gewählten Politiker, die sich ja als Volksvertreter verstehen, erinnern, dass es auch in der Schweiz Armut gibt …

Georges Küng


Adventsfenster Therwil

Mit grosser Freude haben wir erfahren, dass wir wieder beim diesjährigen „lebendigen Adventskalender“ des Gewerbevereins Therwil wieder unser Hilfsprojekt berücksichtigt wird. Vom 1. bis 21. Dezember wird jeweils um 18 Uhr in diversen Geschäften in unserem Dorf ein Adventsfenster geöffnet und bei einem kleinen Apéro auf die Vorweihnachtszeit angestossen. Wir danken den Besucherinnen und Besuchern, den Sponsoren und dem Gewerbe Therwil jetzt schon für das Wohlwollen, welches sie uns stets entgegenbringen. Damit unser Dorf lebendig bleibt, versuchen wir - wann immer es geht - die KMU-Geschäfte und Familienbetriebe in Therwil zu berücksichtigen. Viele von ihnen unterstützen uns jetzt schon und wir sind sehr dankbar dafür!


Danke an Therwil Vital

Letzten Donnerstag durften wir über 60 Seniorinnen und Senioren im Phari-Lokal begrüssen. Nach der Besichtigung konnten wir im „Güggel“ unser Hilfsprojekt vorstellen, von unseren Erfahrungen berichten und Fragen beantworten. Anschliessend haben wir bei Kaffee und Kuchen noch interessante Gespräch mit den Gästen führen können. Wir danken allen, welche am Schluss der Veranstaltung für die armutsbetroffnen Personen aus der Region gespendet haben. Es ist die grosse Summe von über Fr. 750.- gesammelt worden. Auch danken wir ganz herzlich dem Therwil Vital Vorstand, welche diesen Nachmittag organisiert und uns eingeladen hat. 

Brigitte Marques & Gabi Huber


Zeitungsbericht: Wochenblatt Birseck 

Text von CASPAR REIMER

Seit März dieses Jahres gibt es in Reinach eine Lebensmittelabgabe für Armutsbetroffene. Die erste Halbjahresbilanz ist sehr positiv. Spaziert man durch Reinach, zeigt sich meist ein Bild des Wohlstandes: Moderne Eigentumswohnungen, säuberlich heraus-geputzte Einfamilienhäuser, einige schmucke Altbauten oder typische mittelständische Mietwohnungen dominieren das Bild. Doch der Schein trügt – zumindest teilweise. Auch in Reinach leben Menschen, deren Portemonnaie alles andere als prall gefüllt ist. Schweizweit sind knapp acht Prozent der Menschen von Armut betroffen. Bricht man diese Zahl auf Reinach herunter, leben in der Stadt vor der Stadt rund 1500 Menschen, die finanziell mehr schlecht als recht durchs Leben kommen. Aus diesem Grund hat im vergangenen März der in Therwil beheimatete und dort sehr erfolgreiche Verein Phari eine Lebensmittelabgabestelle für Armutsbetroffene ins Leben gerufen. Alle Reinacherinnen und Reinacher, die am oder unter dem Existenzminimum leben, können sich beim Verein melden: «Unser Angebot ist sehr gut angelaufen. Es gibt also Bedarf für eine solche Einrichtung in Reinach», sagt Gabi Huber, die den Verein zusammen mit ihrer Kollegin Brigitte Marques gegründet hat. Die Lebensmittelabgabestelle ist jeden Donnerstag von 15.30 bis 17 Uhr im Pfarreisaal der katholischen Kirchgemeinde eingerichtet. Den grössten Teil der Lebensmittel bekommt der Verein von der Schweizer Tafel, einem Projekt der gleichnamigen Schweizer Stiftung. Die Schweizer Tafel verteilt einwandfreie, überschüssige Lebensmittel, die bei Grossverteilern liegen geblieben sind, an soziale Institutionen wie Obdachlosenheime, Gassenküchen, Notunterkünfte und andere Hilfswerke. Solche Lebensmittel sind in der Schweiz nämlich im Überfluss vorhanden: etwa zwei Millionen Tonnen nicht gebrauchte Lebensmittel landen jährlich im Abfall. Von diesem Überschuss profitiert der Verein Phari. Im Sortiment gibt es frisches Gemüse, Teigwaren, Obst, Konfitüre und Brot – einfach alles, was der Mensch für eine ausgewogene Ernährung braucht. In Reinach wird die Lebensmittelabgabestelle zusätzlich noch von der Bäckerei-Konditorei Grellinger unterstützt: «Alles, was dort übrig bleibt, stellt die Familie Grellinger uns zur Verfügung», sagt Brigitte Marques.

Treffen kann es alle

Anders als in der anonymen Stadt ist die Armut in Reinach versteckt: «Betroffene empfinden Scham und versuchen alles, damit ihre Situation nicht bekannt wird», berichtet Huber. Dabei könne grundsätzlich jeder in eine solche Situation geraten: «Es gibt viele Leute, die arbeiten und trotzdem zu wenig Geld haben, um die Grundbedürfnisse zu decken.» Verbreitet ist Armut auch bei Alleinerziehenden oder bei Eltern, die ihr knappes Geld für die Kinder ausgeben, und am Schluss für sich nichts mehr übrig haben. «An solche Menschen richtet sich unser Angebot», sagt Huber. Das Angebot soll niederschwellig, persönlich und unbürokratisch sein – aber: «Natürlich brauchen wir einen Nachweis, dass eine Person wirklich bedürftig ist.» Dazu benötigen Huber und Marques Lohnausweise, Steuerunterlagen oder dergleichen. «In einem persönlichen Gespräch klären wir den Bedarf ab.» Wer bedürftig ist, bekommt eine Berechtigungskarte und hat jeden Donnerstag Anrecht auf eine Tüte Lebensmittel. Zudem bietet die Anlaufstelle auch Gelegenheit für gegenseitigen Austausch: «Die Betroffenen merken dann, dass sie in ihrer Situation nicht alleine sind», erzählt Marques.

Lücke gefüllt

In Therwil, wo der Verein seine Tätigkeit aufgenommen hat, wird das Angebot so stark genutzt, dass Gabi Huber und Brigitte Marques schon Leute auf die Warteliste setzen mussten. Die beiden Frauen haben mit ihrem Projekt eine Lücke gefüllt und somit für Aufsehen gesorgt: Um ihr Projekt vorzustellen, wurden sie etwa an einen kantonalen Vernetzungsanlass eingeladen und konnten das Angebot bereits interessierten Schulklassen präsentieren – so war neulich eine Klasse des KV Reinach zu Besuch. Weitere Informationen gibt es unter www.vereinphari.ch.


Vernetzungsanlass der beiden Kantone Basel-Stadt und Baselland

Wir freuen uns sehr, dass wir am 20. Mai von der Fachstelle Diversität und Integration Basel-Stadt und der Sicherheitsdirektion Fachstelle Integration des Kantons Basellandschaft zu einem Vernetzungsanlass eingeladen wurden in der Halle 7 im Gundeldingerfeld einen Fachinput zum Thema „Armut" vorzubringen. Anschliessend an den Vortrag von Prof. Dr. Jörg Dittmann konnten wir unser Hilfsprojekt vorstellen, von unseren Erfahrungen berichten und Fragen beantworten. Anschliessend beim Apéro haben wir uns bei interessanten Gesprächen mit den Vertreterinnen und Vertretern vieler Projektträgerschaften vernetzen können. Es war eine wertvolle Erfahrung und wir sind dankbar für die vielen positiven Rückmeldungen und die persönlichen Kontakte, die wir natürlich gerne für unseren Verein Phari nutzen werden.


Grosser Pressebericht über unser Hilfsprojekt in der BZ-Zeitung - Februar 2019


Unser Verein im "regioTVplus"!

Mr hän Bsuech ka vom Däni vom „regioTVplus“! Ab sofort im Färnseh zluege, jedi volli Stund im „RegioMagazin“ oder uf 

https://www.youtube.com/watch?v=ikwRhJg0os4&app=desktop

 


Tag der offenen Tür am 27. April: 

 

Dr Däni vom "regioTVplus"

hat uns nochmals besucht:

 

https://www.youtube.com/watch?v=XFEW-AWeoR0